Deutsche Industrie kämpft mit Jobabbau und steigenden Kosten bis 2026
Kreszentia SchachtDeutsche Industrie kämpft mit Jobabbau und steigenden Kosten bis 2026
Die deutsche Industrie steht vor erheblichen Herausforderungen, da Kosten steigen und Arbeitsplätze abgebaut werden. Die Lohnkosten liegen weiterhin 22 Prozent über dem EU-Durchschnitt und sind mehr als doppelt so hoch wie in Asien oder Osteuropa. Unternehmen überdenken nun ihre Strategien, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Zwischen 2019 und Anfang 2026 gingen in der Branche 341.500 Arbeitsplätze verloren – allein im ersten Quartal 2026 verschwanden 127.300 Stellen. Das entspricht einem jährlichen Rückgang von 2,3 Prozent oder dem Verlust jeder siebzehnten Arbeitsstelle.
Hohe Kosten, komplexe Vorschriften und teure Energie zwingen Unternehmen dazu, Produktion und Forschung ins Ausland zu verlagern. Der Chemiekonzern Evonik kündigte kürzlich an, weitere 3.200 Stellen abzubauen, vor allem in Deutschland. Lieferkettenstörungen bleiben das größte operationelle Risiko und führen zu einer verstärkten Orientierung an einer „lokal für lokal“-Strategie.
Etwa 40 Prozent der Investitionen bis 2030 fließen zwar weiterhin nach Deutschland, doch vorrangig in die Instandhaltung bestehender Standorte und Automatisierung. Nur 16 Prozent der Unternehmen planen, im Inland mehr Personal einzustellen – ein ähnlicher Trend zeigt sich in Westeuropa. Gleichzeitig wollen fast alle befragten Firmen bis 2030 ihre Präsenz in Indien ausbauen, wo sie ein Umsatzwachstum von 4 Prozent erwarten, aber kaum neue Arbeitsplätze schaffen.
Viele entwickeln zudem gezielt neue Produkte in China, um lokale Märkte besser zu bedienen. Fast die Hälfte beabsichtigt, mehr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in globale Zentren zu verlagern.
Die deutsche Industrie passt sich weiterhin den steigenden Kosten und dem globalen Wettbewerb an. Unternehmen bauen Stellen ab, verlagern Produktionsstätten und passen ihre Investitionspläne an. Der Fokus liegt nun darauf, die Effizienz zu erhalten und gleichzeitig in Wachstumsmärkten wie Indien und China zu expandieren.
