Ein umstrittenes Foto bringt Berlins Politik in Erklärungsnot – was steckt dahinter?
Hans-Theo BaumEin umstrittenes Foto bringt Berlins Politik in Erklärungsnot – was steckt dahinter?
Ein aktuelles Foto des CDU-Politikers Guido Heuer und des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund hat in Berlin für Aufsehen gesorgt. Die Aufnahme, die die beiden Männer in einer angeregten Diskussion eng beieinander zeigt, brach das inoffizielle Tabu, körperliche Nähe zu AfD-Vertretern zu vermeiden. Die Reaktionen aus dem politischen Spektrum fielen prompt und gespalten aus.
Der Moment entstand während einer Podiumsdiskussion, als ein defektes Mikrofon Heuer und Siegmund zwang, sich näher zueinander zu beugen, um einander zu verstehen. Das Bild verbreitete sich rasant und löste in Berlins Politikkreisen Bestürzung aus. Viele deuteten es als symbolischen Bruch der langjährigen „Quarantäne“, die andere Parteien gegenüber der AfD aufrechterhalten.
Eva von Angern, Fraktionschefin der Linken im Landtag, hatte zuvor vor jedem körperlichen Kontakt mit AfD-Politikern gewarnt. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, kritisierte später die fehlende sichtbare Distanz zur AfD auf dem Foto. Selbst ZDF-Moderator Markus Lanz mischte sich ein und kommentierte die übertriebenen Bemühungen, AfD-Mitglieder zu meiden.
Die CDU geriet zunächst wegen des Fotos in die Kritik. Parteivertreter verteidigten Heuer und Siegmund später, entschuldigten sich für die Aufnahme, betonten jedoch, ihr Verhalten sei rein menschlich und unbeabsichtigt gewesen. Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, an dem die AfD weiter an Zustimmung gewinnt – aktuell liegt sie in Umfragen bei 29 Prozent, neun Punkte vor der CDU. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September gilt eine absolute Mehrheit der AfD mittlerweile als möglich.
Die politische Brandmauer gegen die AfD scheint brüchig zu werden. Das Foto und die anschließenden Reaktionen unterstreichen die wachsenden Spannungen darüber, wie mit einer Partei umgegangen werden soll, die nun in den Umfragen führt. Beobachter weisen darauf hin, dass die bisherige Strategie der Isolation möglicherweise nicht mehr haltbar ist.






