Energiewende in der Sackgasse: Wie der Iran-Konflikt Deutschlands Krisenmodus verschärft
Gabi Kranz100 Jahre Energiepreisschocks: Eine kurze Geschichte der deutschen Energiepolitik - Energiewende in der Sackgasse: Wie der Iran-Konflikt Deutschlands Krisenmodus verschärft
Deutschlands Energiewende steckt in einer neuen tiefen Krise – ausgelöst durch den US-israelischen Angriff auf den Iran, der die ohnehin fragilen Wachstumspläne der Wirtschaft weiter erschüttert. Die Bundesregierung hat längst die langfristige Planung aufgegeben und steuert nun im Krisenmodus. Doch dieser jüngste Schock ist nur der vorläufige Höhepunkt einer jahrzehntelangen Serie geopolitischer Umbrüche, die immer wieder die strukturellen Schwächen der deutschen Energieversorgung schonungslos offenlegen.
Seit der zweiten Ölkrise 1979 hat Deutschland versucht, seine Gasimporte zu diversifizieren. Pipeline-Lieferungen aus der Sowjetunion – später aus Russland und Norwegen – wurden ausgebaut, ergänzt durch neue Flüssiggas-Terminals (LNG). Heute stammt rund ein Drittel des Gases aus Norwegen (per Pipeline), während die USA (25 % per LNG), Katar (15 % per LNG) und die Niederlande den Großteil des Restbedarfs decken. Russlands Anteil, einst dominant, ist seit 2022 auf unter 5 % gesunken.
Frühere Energiekrisen zwangen die Politik bereits zu Kurskorrekturen: Effizienzprogramme und die Förderung erneuerbarer Energien wurden vorangetrieben. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) etwa schuf durch staatliche Eingriffe ganze neue Industriezweige. Doch das Vertrauen auf marktwirtschaftliche Prinzipien führte in der Vergangenheit auch zu Versorgungsengpässen und dem Kollaps ganzer Industriezweige.
Kurzfristige Lösungen, um die öffentliche Empörung zu besänftigen, überdeckten dabei oft die eigentlichen Probleme. Der aktuelle Preisschock ist kein Einzelfall, sondern Teil eines sich wiederholenden Musters. Ohne strategische Weichenstellungen warnen Experten vor der nächsten unvermeidlichen Krise.
Energiepolitik war schon immer eng mit Außen- und Sicherheitspolitik verknüpft. Manche Regierungen handelten in früheren Krisen entschlossen, andere zögerten. Der jüngste Angriff auf den Iran zeigt erneut, wie externe Konflikte die Energieversorgung Deutschlands destabilisieren können.
Nun sind schnelle Maßnahmen nötig, um die Folgen explodierender Energiekosten abzufedern. Ohne entschlossenes Handeln drohen Verbraucherproteste und Industrie-Stilllegungen. Die Regierung muss sowohl die aktuelle Preiskrise bewältigen als auch die langfristigen Risiken eines labilen Energiesystems angehen.






