Estlands umstrittene Reiterstandbilder: Warum ein Denkmal die Nation spaltet
Gabi KranzEstlands umstrittene Reiterstandbilder: Warum ein Denkmal die Nation spaltet
In Estland ist eine neue Debatte über Reiterstandbilder entbrannt, nachdem eine Skulptur von Alma Ostra-Oinas zu Pferd in Tallinn für Kontroversen gesorgt hat. Der Vorschlag sieht vor, in den nächsten zwei Jahrzehnten jede Stadt, jeden Ort und jedes Dorf mit ähnlichen Statuen auszustatten. Befürworter argumentieren, dies würde die Aufmerksamkeit von bestehenden Denkmälern ablenken und gleichzeitig mehr historische Persönlichkeiten würdigen.
Die von Flo Kasearu geschaffene Skulptur, die Alma Ostra-Oinas auf einem Pferd zeigt, hat die seit langem schwelenden Diskussionen darüber neu entfacht, welche Denkmäler in den öffentlichen Raum gehören. Estland kennt solche Auseinandersetzungen aus der Vergangenheit – die Debatten flammen stets dann auf, wenn Regime wechseln oder neue Führungskräfte alte Symbole ablehnen.
Anders als Städte wie Rom oder Paris verfügt Estland über vergleichsweise wenige Reiterstandbilder. Die Unterstützer des Plans sind überzeugt, dass eine landesweite Initiative diese Lücke schließen könnte, sobald die aktuelle Welle neuer zentraler Plätze abgeschlossen ist. Sie betonen, dass verdiente Persönlichkeiten Anerkennung verdienen, während Künstler von bezahlten Aufträgen profitieren würden.
Der aktuelle Streit um das Ostra-Oinas-Denkmal hat zudem eine weitere Erkenntnis zutage gefördert: Nicht alle ehemaligen Sozialdemokraten lehnten die estnische Staatlichkeit ab. Manche sehen darin die Chance, historische Erzählungen durch neue öffentliche Kunstwerke zu überdenken.
Würde der Vorschlag umgesetzt, stünden in den nächsten 10 bis 20 Jahren in ganz Estland Reiterdenkmäler auf. Der Schritt könnte die Aufmerksamkeit von politisch brisanten Statuen weg lenken und Künstlern Arbeit verschaffen. Vorerst bleibt die Frage umstritten, ob mehr Reiterfiguren in die Plätze und Straßen des Landes gehören.






