21 March 2026, 14:25

Hamburgs Staatsoper wagt Schumanns Paradies und Peri als moderne Krisenparabel

Schwarz-weißer Stich "Aaron hält die Pest auf" zeigt eine Gruppe verzweifelter Menschen auf einem Feld unter einer untergehenden Sonne.

Hamburgs Staatsoper wagt Schumanns Paradies und Peri als moderne Krisenparabel

Hamburgs Staatsoper eröffnet die Saison mit einer mutigen Neuinterpretation von Robert Schumanns Das Paradies und die Peri

Die weltliche Oratoriumsversion, inspiriert von einer orientalischen Erzählung aus Thomas Moores Lalla Rookh, setzt sich unter der Regie von Tobias Kratzer nun mit modernen Krisen auseinander. Das Publikum reagierte mit einem Mix aus Buhrufen und Beifall, feierte am Ende aber die überschwängliche Energie der Inszenierung.

Die Aufführung entfaltet sich in drei drastischen Mini-Dramen: Krieg, Pest und die Klimakrise. In einer eindrucksvollen Szene spielen Kinder unter einer verschmutzten Plastikkuppel – ein direkter Verweis auf den ökologischen Kollaps. Kratzer und Bühnenbildner Rainer Sellmaier verankern das Werk des 19. Jahrhunderts in der Gegenwart, wobei die Sänger:innen zeitgenössische Figuren verkörpern.

Kratzers Inszenierung durchbricht wiederholt die vierte Wand. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker als Peri klettert über die Zuschauerreihen, geht in Interaktion mit dem Publikum und öffnet so symbolisch die "Himmelstore". Dirigent Omer Meir Wellber und die Philharmoniker Hamburg lieferten eine mitreißende Interpretation, deren Intensität die Solist:innen mitunter in den Hintergrund drängte.

Die Premiere läutete eine Reihe neuer, eigenkuratierter Musiktheaterabende ein. Geplant sind unter anderem Monster's Paradise sowie eine Neudeutung von Frauenliebe und -leben. Kratzer kündigte zudem an, die Oper einem breiteren Hamburger Stadtpublikum zugänglicher zu machen.

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Die Verbindung moderner Themen mit publikumsnahen Elementen löste starke Reaktionen aus. Zwar spalteten einige Szenen die Zuschauer:innen, doch überwog am Ende begeisterte Zustimmung. Die neue Ausrichtung der Oper deutet auf einen Wandel hin zu gesellschaftlich relevanteren Programmen in Hamburg.

Quelle