Kölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Warum die Baustelle bis heute eine Wunde bleibt
Hans-Theo BaumKölner Stadtarchiv-Einsturz 2009: Warum die Baustelle bis heute eine Wunde bleibt
Eine tragische Katastrophe erschütterte Köln im Jahr 2009, als das Stadtarchiv während U-Bahn-Bauarbeiten einstürzte. Bei dem Unglück kamen zwei Menschen ums Leben, und 1,7 Millionen historische Dokumente wurden zerstört. Mehr als ein Jahrzehnt später ist die Baustelle immer noch nicht fertiggestellt, und erst kürzlich endeten die juristischen Auseinandersetzungen – mit finanziellen Strafen statt Verurteilungen.
Der Einsturz ereignete sich am 3. März 2009, als Arbeiter Tunnel für die Nord-Süd-U-Bahn-Linie gruben. Gefälschte Bauprotokolle, gestohlene Stahlträger und mangelnde Organisation führten dazu, dass das Gebäude nachgab. Die Katastrophe beschädigte auch den Turm der nahegelegenen St.-Johann-Baptist-Kirche so schwer, dass er dauerhaft schief steht – heute scherzhaft als "Kölner Schiefer Turm" bezeichnet.
Die Folgen waren Jahre voller Rechtsstreitigkeiten. 2018 verurteilte ein Gericht den Bauleiter und den verantwortlichen Bauingenieur wegen fahrlässiger Tötung. Doch das Urteil wurde später aufgehoben, und bis 2024 wurden alle Anklagen gegen Zahlung von Geldstrafen fallengelassen. Die übrigen Beschuldigten galten nur als mittelbar verantwortlich.
Die Bergungsarbeiten kommen nur langsam voran. Ein Drittel der verlorenen Dokumente gilt als unwiederbringlich zerstört, und Experten schätzen, dass die verbleibenden Arbeiten bis 2050 dauern werden. Währenddessen bleibt die Baugrube teilweise verfüllt – eine sichtbare Narbe in der Stadt. Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich weiterhin für ein würdevolles Mahnmal und Mitsprache bei den Neubauplänen ein. 2022 installierte der Künstler Reinhard Matz"Klagelied in acht Tafeln" – eine künstlerische Hommage an die Katastrophe – am Zaun der Baustelle.
Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 bleibt eines der düstersten Ereignisse der jüngeren Stadtgeschichte. Mit abgeschlossenen Gerichtsverfahren und laufenden Restaurierungsarbeiten stellt sich Köln weiterhin die Frage nach Verantwortung und Erinnerung. Die unfertige Baustelle und der beschädigte Kirchturm mahnen als stumme Zeugen der Tragödie.






