Machtkampf bei DocMorris: Aktionäre fordern Chefs Sturz und setzen auf Branchenveteran
Kreszentia SchachtMachtkampf bei DocMorris: Aktionäre fordern Chefs Sturz und setzen auf Branchenveteran
Aktionäre des Online-Apothekendienstes DocMorris drängen auf einen Führungswechsel und fordern die Abberufung von Vorstandschef Walter Oberhänsli. Stattdessen soll Dr. Fritz Oesterle, ein erfahrener Branchenveteran, die Geschäfte übernehmen. Der Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten und wachsendem Konkurrenzdruck im Online-Apothekenmarkt zu kämpfen hat.
DocMorris leidet seit Längerem unter schwacher Rentabilität, die vor allem auf hohe Marketingkosten und stagnierendes Wachstum zurückzuführen ist. Die Situation hat bei den Investoren Frust ausgelöst, die nun offen die aktuelle Unternehmensführung infrage stellen. Im Fokus steht dabei die Ablösung Oberhänslis, während ein weiterer Schlüsselmanager, Walter Hess, in der Debatte bisher keine Erwähnung findet.
Dr. Fritz Oesterle bringt jahrzehntelange Erfahrung mit, unter anderem als ehemaliger Chef von Celesio, einem der größten Pharma-Großhändler. Seine Amtszeit dort war jedoch von Kontroversen geprägt, etwa durch Konflikte mit Großhandelskunden und gescheiterte Versuche, den Markt zu liberalisieren. Seine Stärken liegen im klassischen Großhandel und stationären Vertrieb – weniger in digitaler Innovation. Dies wirft Fragen auf, ob er die richtige Wahl für die Zukunft von DocMorris ist.
Die Forderung nach Oesterle passt zu seinem Ruf als durchsetzungsstarker Manager. Sein Unterstützer, die Investmentfirma Ceplion, strebt an, DocMorris zu einer führenden europäischen Plattform für "Gesundheit auf Knopfdruck" umzubauen. Doch der Wettbewerb verschärft sich: Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, testet bereits Video-Sprechstunden und bereitet den Online-Verkauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten vor. Gleichzeitig expandiert die Drogeriekette dm in den Versandapothekenbereich – ein klares Zeichen für den Wandel in der Branche.
Die Turbulenzen im Sektor verstärken sich weiter: Max Müller, einst Oesterles oberster Lobbyist, wechselt in den Aufsichtsrat von Redcare, einem wichtigen Konkurrenten. Dieser Schritt könnte den Wettbewerb in einem ohnehin schon umkämpften Markt zusätzlich anheizen.
Der Aktionärsaufstand bei DocMorris spiegelt die wachsenden Spannungen im Online-Apothekenmarkt wider. Sollte Oesterle das Ruder übernehmen, wird seine Führung vor finanziellen Herausforderungen und zunehmender Konkurrenz auf die Probe gestellt. Die Zukunft des Unternehmens könnte davon abhängen, ob es sich in einem rasant wandelnden Markt behaupten und sich gegen Rivalen wie die Schwarz-Gruppe und dm durchsetzen kann.






