03 April 2026, 16:35

Merz' Rückkehraussage für Syrer stößt auf scharfe Kritik der Wirtschaftsexperten

Ein Plakat mit einer Karte von Syrien mit Daten zu Binnendöpflüchteten aufgrund von Gewalttätigkeit, begleitet von Text und Graphiken.

Merz' Rückkehraussage für Syrer stößt auf scharfe Kritik der Wirtschaftsexperten

Bundeskanzler Friedrich Merz' Prognose, dass 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer innerhalb von drei Jahren in ihre Heimat zurückkehren werden, stößt bei Wirtschaftsexperten auf Skepsis. Neue Analysen deuten vielmehr darauf hin, dass ein derartiger Massenexodus die deutsche Arbeitskraft schwächen und die wirtschaftliche Stabilität gefährden könnte. Mit fast einer Million syrischer Staatsbürger, die mittlerweile in Deutschland leben, ist ihre Rolle auf dem Arbeitsmarkt längst unverzichtbar geworden.

Laut aktuellen Zahlen leben 2024 zwischen 936.000 und 944.000 Syrer in Deutschland, die meisten von ihnen als Flüchtlinge des Bürgerkriegs ins Land gekommen. Über 700.000 flohen vor der Gewalt, und viele haben inzwischen Arbeit gefunden – oft in Branchen, die unter Fachkräftemangel leiden.

Ökonomen warnen, dass eine großangelegte Rückwanderung diese Fortschritte zunichtemachen würde. Timo Wollmershäuser vom ifo Institut betont, wie Zuwanderung den demografischen Wandel abgebremst und damit die Produktivkraft Deutschlands gestärkt habe. Ohne diese Arbeitskräfte könnten ganze Wirtschaftszweige Schwierigkeiten bekommen, Schlüsselpositionen zu besetzen.

Geraldine Dany-Knedlik vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) teilt diese Bedenken. Selbst ein teilweiser Wegzug der syrischen Bevölkerung würde, so ihre Einschätzung, den demografischen Druck auf das ohnehin schwache Wachstumspotenzial Deutschlands weiter verschärfen. Der Verlust von Menschen im erwerbsfähigen Alter belaste zudem die öffentlichen Finanzen und die Wirtschaftsleistung zusätzlich, gibt sie zu bedenken.

Kritiker von Merz' Aussage verweisen darauf, dass es keine belastbaren Belege für eine derart schnelle Rückkehrquote gibt. Viele Syrer haben sich in Deutschland ein Leben aufgebaut – mit Familien, Arbeitsplätzen und sozialen Bindungen, die eine rasche Abwanderung unwahrscheinlich machen.

Die Debatte über die Rückkehr syrischer Geflüchteter fällt in eine Zeit, in der Deutschland mit einer alternden Bevölkerung und Fachkräftemangel kämpft. Ein spürbarer Rückgang dieser Arbeitskräfte könnte die wirtschaftlichen Herausforderungen vertiefen und sich auf alles auswirken – von Steuereinnahmen bis hin zu Dienstleistungsbranchen. Experten fordern daher Politiken, die Integration fördern und gleichzeitig realistische Migrationsprognosen berücksichtigen.

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