27 April 2026, 12:35

Mindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – viele verdienen unter 15 Euro

Eine Liniendiagramm, das die Löhne in den Vereinigten Staaten zeigt, mit begleitendem erklärendem Text.

Mindestlohn-Kontrollen in Sachsen-Anhalt brechen ein – viele verdienen unter 15 Euro

Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt seit 2022 drastisch zurückgegangen – viele Beschäftigte verdienen unter 15 Euro pro Stunde

Die Durchsetzung von Mindestlöhnen in Sachsen-Anhalt ist seit 2022 stark eingebrochen, sodass viele Arbeitnehmer:innen weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen. Angesichts rückläufiger Kontrollen und einer schrumpfenden Zahl an Betrieben wachsen die Sorgen um faire Bezahlung – und das kurz vor der geplanten Erhöhung des Mindestlohns im Jahr 2027.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) führte in Sachsen-Anhalt im Jahr 2022 noch 1.598 Betriebsprüfungen durch. Bis 2025 sank diese Zahl auf 691 – ein Rückgang um 57,1 Prozent. Die aktuelle Kontrolldichte liegt damit bei nur noch 42,4 Prozent des Niveaus von 2022.

Zwar gab es 2025 einen leichten Anstieg – die Prüffälle stiegen von 677 im Jahr 2024 auf 691 –, doch selbst bei diesem Tempo müsste ein Betrieb statistisch nur alle 90 Jahre mit einer Kontrolle durch den Zoll rechnen. Noch seltener werden landwirtschaftliche Betriebe überprüft: 2025 wurden lediglich neun von 2.105 Höfen kontrolliert – eine Prüfung alle 234 Jahre.

Niedrige Löhne bleiben ein strukturelles Problem. Fast 195.000 Beschäftigte, also 23,3 Prozent der Erwerbstätigen, verdienen weniger als 15 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifbindung liegt der Anteil sogar bei 35 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen.

Auch die Zahl der Unternehmen in der Region ist gesunken: von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025. Dieser Rückgang verschärft die Debatte über Lohngerechtigkeit und die Wirksamkeit der Kontrollen.

Mit historisch niedrigen Prüfquoten und einem beträchtlichen Anteil an Beschäftigten, die unter 15 Euro pro Stunde verdienen, bleibt die Kluft zwischen politischem Anspruch und gelebter Praxis groß. Die Diskussionen über faire Bezahlung und strengere Kontrollen werden vor der geplanten Lohnerhöhung 2027 voraussichtlich an Fahrt aufnehmen.

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