"Mir san mir": Bierstadts Kerb-Fest feiert Tradition und Widerstandsgeist
Hans-Theo Baum"Mir san mir": Bierstadts Kerb-Fest feiert Tradition und Widerstandsgeist
Das traditionelle Kerb-Fest in Bierstadt, einem Stadtteil von Wiesbaden, ist am Wochenende auf dem Fichteplatz eröffnet worden. Dr. Gerhard Obermayr, der Stadtverordnetenvorsteher und gebürtige Bierstädter, eröffnete die Feierlichkeiten mit einer deutlichen Botschaft zum Erhalt der lokalen Identität. Das tief in der Tradition verwurzelte Fest brachte drei Tage lang Verantwortliche, Künstler und Nachbarn zu Musik, Tanz und gemeinschaftlichem Miteinander zusammen.
Die Ursprünge des Kerb-Fests reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, als es als Kirchweih zu Ehren des Heiligen Stephan am ersten Sonntag nach dem 26. September begann. Damals prägten religiöse Prozessionen und bescheidene Dorffeste das Geschehen. Im Laufe der Zeit vermischten sich hessische Bräuche wie Blasmusik, die Kerbetanze (traditionelle Tänze) und Bierzelte mit dem Fest – geprägt vom industriellen Aufschwung des 19. Jahrhunderts und der regionalen Weinkultur. Heute ist es ein lebendiges, dreitägiges Volksfest mit Rummelplatz, Feuerwerk und Gemeinschaftsaktivitäten, das dennoch seine katholischen Wurzeln ehrt.
Bei der diesjährigen Eröffnung blickte Dr. Obermayr auf seine Kindheit in Bierstadt und die enge Gemeinschaft zurück, die den Stadtteil prägt. Mit dem stolzen Ausruf "Mir san mir" ("Wir sind wir") hieß er Besucher aus der Umgebung willkommen. An seiner Seite standen Dr. Patricia Becher, Leiterin des Stadtamts, der Ortsvorsteher Rainer Volland, Jasmin I. (die Bembel-Fee) sowie Viktoria I. (die Blumenkönigin von Naurod).
Die Feier auf dem Fichteplatz hatte dabei mehr als nur symbolischen Charakter: Das traditionelle Fassanstich war nicht der einzige Höhepunkt. Obermayr betonte, der Platz stehe für den Geist Bierstadts – und werde nicht zum Spielball städtebaulicher Interessen. Die Anwohner seien entschlossen, ihre Lebensweise zu verteidigen.
Die Eröffnung des Kerb-Fests unterstrich einmal mehr Bierstadts Verbundenheit mit seiner Geschichte. Mit Reden, Auftritten und gemeinsamem Feiern bekräftigte die Gemeinschaft ihren Zusammenhalt und Widerstand gegen äußere Einflüsse. Das Fest verbindet jahrhundertealte Bräuche mit moderner Einheit und bewahrt so die Identität des Stadtteils.






