Nitrendipin-Knappheit hält an: Patienten kämpfen um lebenswichtige Medikamente bis 2026
Hans-Theo BaumNitrendipin-Knappheit hält an: Patienten kämpfen um lebenswichtige Medikamente bis 2026
Patienten, die auf Nitrendipin angewiesen sind – einen weit verbreiteten Kalziumkanalblocker –, leiden seit dem letzten Sommer unter anhaltenden Lieferengpässen. Sowohl die 10-mg- als auch die 20-mg-Dosierungen sind bei allen Herstellern derzeit nicht verfügbar, was Betroffene, die auf das Medikament angewiesen sind, vor erhebliche Herausforderungen stellt.
Ursache für die Knappheit sind Produktionsprobleme bei mehreren Pharmaunternehmen. Aristo Pharma, einer der wichtigsten Hersteller, gab bekannt, dass seine Nitrendipin-Präparate in den Dosierungen 10 mg und 20 mg mindestens bis März 2026 nur eingeschränkt lieferbar bleiben – eine vollständige Wiederverfügbarkeit ist auch danach nicht garantiert. Andere Hersteller wie Ratiopharm und Aliud Pharma planen, die Lieferungen der 20-mg-Variante bis Ende März wiederaufzunehmen, während AbZ voraussichtlich erst Ende Mai nachlegen kann.
Nitrendipin gehört zur Gruppe der Nifedipin-ähnlichen Kalziumkanalblocker, die durch die Hemmung des Kalziumeinstroms in die Zellen wirken. Dadurch bleiben die Arterien erweitert, was die Durchblutung verbessert. Diese Medikamente sind jedoch nicht für Patienten mit Herzinsuffizienz oder solche geeignet, die sich von einem akuten Herzinfarkt erholen. Für die volle Wirksamkeit müssen Patienten sie regelmäßig einnehmen, da sich der therapeutische Effekt erst nach zwei bis vier Wochen vollständig entfaltet.
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Nitrendipin auf seiner Liste der gemeldeten Arzneimittelknappheiten geführt. Das Problem ist Teil eines größeren Versorgungsengpasses, der vor allem ältere Medikamente betrifft – darunter auch andere lebenswichtige Therapien. In aktuellen Berichten werden keine konkreten Alternativen genannt, um die durch die Knappheit entstandene Lücke zu schließen.
Die anhaltenden Lieferprobleme bedeuten, dass Patienten monate- oder sogar jahrelang Schwierigkeiten haben könnten, Nitrendipin zu erhalten. Zwar streben einige Hersteller eine baldige teilweise Wiederverfügbarkeit an, andere warnen jedoch vor langfristigen Unterbrechungen. Betroffene müssen eng mit ihren Ärzten und Apotheken zusammenarbeiten, um mögliche Lösungen zu finden.