Stille Andacht mitten im Wiesn-Trubel: Der geheimnisvolle Kirchweihgottesdienst
Harry JesselStille Andacht mitten im Wiesn-Trubel: Der geheimnisvolle Kirchweihgottesdienst
Jedes Jahr findet auf dem Münchner Oktoberfest ein ungewöhnliches Ereignis statt: der Wiesn-Kirchweihgottesdienst. In der Marstall-Festhalle abgehalten, hebt sich diese Versammlung deutlich von den üblichen Feierlichkeiten ab. Statt Bierkrüge und Blasmusik füllen hier für einen kurzen, feierlichen Moment Gesänge und Gebete den Raum.
Der Gottesdienst findet in der ersten Woche des Festes statt. Während die Menge aufsteht, vereinen sich die Stimmen im Lied und singen Lobt den Herrn! mit unerwarteter Inbrunst. Dort oben, wo sonst die Königlich Bayerische Vollgas-Orchester spielt, schwebt ein einsames Halleluja herab.
Nur sechs Männer im gesamten Zelt trinken – Wein, kein Bier – und teilen ihn aus einem einzigen goldenen Kelch. Einer von ihnen tritt vor, spricht ins Mikrofon und rezitiert: "Und führe uns nicht in Versuchung…" Die Szene bildet einen schroffen Kontrast zu den ausgelassenen Feiern draußen.
Diese Tradition, bekannt als Wiesn-Kirchweihgottesdienst, gehört seit langem zum eigenwilligen Charme des Oktoberfests. Während die meisten Besucher wegen des Bieres und der Musik kommen, bietet dieser stille Gottesdienst einen Moment der Besinnung mitten im Trubel.
Der Wiesn-Kirchweihgottesdienst bleibt ein einzigartiges Merkmal des Münchner Oktoberfests. Jedes Jahr zieht er eine kleine, aber treue Schar an und verbindet Glauben mit Festkultur. Für die Teilnehmer ist er eine Erinnerung daran, dass selbst im Herzen des größten Bierfests der Welt Platz für etwas anderes ist.






