Warum junge Männer nach rechts rücken – und wie Feminismus sie zurückgewinnen will
Gabi KranzWarum junge Männer nach rechts rücken – und wie Feminismus sie zurückgewinnen will
Junge Männer in Deutschland wenden sich zunehmend der rechten Politik zu – ihre Altersgenossinnen bevorzugen dagegen linksliberale Parteien. Diese politische Spaltung hat eine Debatte über Männlichkeit, Geschlechterrollen und die Frage ausgelöst, wie Männer stärker in progressive Bewegungen eingebunden werden können. Felix Banaszak, Co-Vorsitzender der Grünen, setzt sich nun für einen neuen Ansatz ein, um Männer in feministische Diskurse einzubeziehen.
Die Verschiebung der Wahlpräferenzen zeigte sich deutlich bei der letzten Bundestagswahl: Junge Männer stimmten mehrheitlich für die rechtspopulistische AfD, während junge Frauen sich für linksliberale Parteien entschieden. Diese Kluft wirft Fragen auf, inwiefern traditionelle Geschlechterbilder politische Entscheidungen beeinflussen.
Banaszak argumentiert seit Langem, dass starre Geschlechtererwartungen sowohl Männer als auch Frauen schaden. Im Februar unternahm er in einem Playboy-Interview seinen ersten prominenten Versuch, junge Männer mit einer feministischen Botschaft zu erreichen. Später räumte er ein, sein Ton sei möglicherweise zu konfrontativ gewesen, und kündigte an, künftig mehr Dialogbereitschaft mit klaren Positionen zu verbinden.
Sein Engagement für die Rolle von Männern im Feminismus ist nicht neu: Schon 2010 gehörte er zu 21 Grünen-Politikern, die ein Manifest mit dem Titel „Männer, gebt Macht ab! Es lohnt sich“ unterzeichneten. Kürzlich traf er sich mit dem Bundesfrauenrat, um seine „Männerpolitik“ zu diskutieren. Vorschläge umfassen etwa mehr Plattformen für Jungen, um sich auszutauschen, sowie die Einrichtung eines eigenen Forums für Männer.
Doch das Thema Männlichkeit in der Politik sorgt auch für Kontroversen: Vor der Europawahl 2024 riet der AfD-Politiker Maximilian Krah jungen Männern mit Dating-Problemen schlicht, „nach rechts“ zu rücken. Banaszak hingegen positioniert sich klar gegen toxisches Verhalten – etwa als er nach den Vorwürfen der Schauspielerin Collien Fernandes gegen Schauspieler Christian Ulmen in einem Social-Media-Post Gewalt scharf verurteilte.
Auch Banaszaks persönlicher Stil sorgt mitunter für Aufmerksamkeit: Sein Büro ist pink gestrichen – eine Farbe, die er offen mag – und verweist auf Vorbilder wie den Torwart Tim Wiese, der vor 20 Jahren ohne große Kritik in Pink auflief. Für Banaszak sind solche Signale ein bewusster Bruch mit veralteten Männlichkeitsklischees.
Die Bemühungen der Grünen, junge Männer für feministische Themen zu gewinnen, fallen in eine Zeit tiefer politischer Gräben. Banaszaks Vorschläge – von politischen Debatten bis hin zu kulturellen Veränderungen – zielen darauf ab, Männlichkeit inklusiver zu definieren. Ob dieser Ansatz die Kluft zwischen jungen Männern und progressiver Politik überbrücken kann, bleibt abzuwarten.






