Deutschland testet mit Fragebögen die Rückkehr zur Wehrpflicht für junge Erwachsene
Gabi KranzMilitärberater bei der Einberufung: 'Eltern' machen sich Sorgen - Deutschland testet mit Fragebögen die Rückkehr zur Wehrpflicht für junge Erwachsene
Deutschland hat damit begonnen, Fragebögen an 18-Jährige zu verschicken, um ihre Eignung für den Wehrdienst zu prüfen. Die ersten Schreiben gingen am 15. Januar in Sachsen-Anhalt raus, bis Ende des Monats folgten weitere. Zwar bleibt die Wehrpflicht weiterhin ausgesetzt, doch bereitet sich die Regierung auf mögliche Änderungen vor, falls die Zahl der Freiwilligen zu niedrig bleibt.
Das neue System verlangt von allen jungen Männern – und erstmals auch von Frauen –, einen Fragebogen zu ihrer Bereitschaft zum Wehrdienst auszufüllen. Männer sind gesetzlich verpflichtet zu antworten, auch wenn es derzeit keine aktive Einberufung gibt. Nach geltendem Recht können Männer zwischen 18 und 60 Jahren im Bedarfsfall noch einberufen werden, doch Deutschland setzt seit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht auf Freiwillige.
Seit Jahresbeginn verzeichnet die Bundeswehr einen positiven Trend bei den Bewerbungen für den freiwilligen Wehrdienst. Dennoch bleiben die Sorgen vor einem Krieg bestehen, insbesondere nach den jüngsten Spannungen mit dem Iran. Reservisten hätten sich laut Berichten an die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) gewandt, um Rat zu suchen – offizielle Zahlen zu diesen Anfragen liegen jedoch nicht vor.
Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer ist in den letzten Jahren stark angestiegen. 2025 wurden 2.830 Anträge genehmigt, und bis Ende Februar dieses Jahres waren es bereits 1.035. Wer den Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnt, muss stattdessen einen zivilen Ersatzdienst leisten. Gleichzeitig machen sich viele Familien Sorgen, dass jüngere Generationen möglicherweise in Einsätze geschickt werden könnten.
Falls es der Bundeswehr nicht gelingt, genug Freiwillige zu rekrutieren, könnte die Regierung eine "bedarfsorientierte Wehrpflicht" wieder einführen. Die EKM bietet weiterhin Beratung für diejenigen an, die unsicher über ihre militärischen Verpflichtungen sind.
Die Einführung der Fragebögen markiert einen Wandel in der Bewertung der militärischen Einsatzbereitschaft Deutschlands. Angesichts steigender Zahlen von Kriegsdienstverweigerern und anhaltender Konfliktsorgen soll das System die freiwillige Rekrutierung mit potenziellen künftigen Anforderungen in Einklang bringen. Die nächsten Schritte der Regierung hängen davon ab, wie viele junge Menschen ihre Bereitschaft zum Dienst bekunden.






