Neues Online-Portal enthüllt historische Quellen zu rechtsextremen Strömungen in Deutschland
Gabi KranzNeues Online-Portal enthüllt historische Quellen zu rechtsextremen Strömungen in Deutschland
Ein neues Online-Portal ist gestartet, das offenen Zugang zu historischen Quellen über rechtsextreme Strömungen in Deutschland von 1945 bis 2000 bietet. Das von führenden Forschenden herausgegebene Projekt zielt darauf ab, Bildung und Analyse extremistischer Propaganda über die Jahrzehnte zu unterstützen.
Das unter https://radikale-rechte.de/ abrufbare Portal stellt eine Sammlung von Propagandatexten, gewaltverherrlichenden Aufrufen und Materialien bereit, die gezielt junge Menschen ansprechen. Über 30 Expertinnen und Experten haben die Dokumente mit Annotationen und Kontext versehen, sodass sie für Forscherinnen und Forscher, Schulen sowie die politische Bildungsarbeit nutzbar sind.
Seit den 1990er-Jahren hat sich die Rhetorik rechtsextremer Akteure in Deutschland gewandelt: Weg von offener, gewaltverherrlichender Sprache – wie etwa in NPD-Kampagnen gegen Migrantinnen und Migranten – hin zu subtileren digitalen Strategien. Heute nutzen Extremisten Memes, die gezielte Unterwanderung sozialer Medien und das Einschleusen ihrer Positionen in den gesellschaftlichen Mainstream ("Entryismus"), um breitere Zielgruppen zu erreichen – darunter enttäuschte Jugendliche und wirtschaftlich benachteiligte Gruppen. Plattformen wie Telegram und TikTok sind, wie Studien zum digitalen Faschismus zeigen, zu zentralen Werkzeugen der Verbreitung geworden.
Leiter des Projekts sind Prof. Dr. Frank Bösch, Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF), und Prof. Dr. Gideon Botsch vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam (MMZ). Ihre Arbeit stellt sicher, dass das Portal die sich wandelnden Taktiken rechtsextremer Bewegungen über die Zeit hinweg abbildet.
Das Portal dient als Ressource, um zu verstehen, wie sich extremistische Strategien an moderne Kommunikationsformen angepasst haben. Durch historische Einordnung und Fachanalysen hilft es Lehrkräften, Forscherinnen und Forschern sowie der Öffentlichkeit, aktuelle rechtsextreme Propaganda zu erkennen und ihr entgegenzuwirken.






