24 March 2026, 08:25

Wie Neslihan Arol das Meddah-Theater mit feministischem Witz neu erfindet

Plakat für das Theater Sarah Bernhardt von 1909-1910, das eine Gruppe von Frauen in der Mitte mit Text zeigt, der das Theater und seine Künstler beschreibt.

Wie Neslihan Arol das Meddah-Theater mit feministischem Witz neu erfindet

Neslihan Arol lässt in Berlin die jahrhundertealte Tradition des Meddah-Theaters wieder aufleben – allerdings mit feministischem Ansatz. Auf der Bühne verbindet sie Humor, Politik und Erzählkunst, wobei eine einfache Teelichtkerze sowohl die Wärme menschlicher Verbundenheit als auch die brennende Leidenschaft der Künstlerin symbolisiert. Ihre Arbeit stellt alte Konventionen infrage und hält gleichzeitig eine uralte Kunstform lebendig.

Arols Weg führte nicht direkt ins Theater. Nach einem Studium der Chemieingenieurwissenschaften widmete sie sich heimlich der Schauspielerei und schrieb schließlich ihre Masterarbeit über Clowns aus feministischer Perspektive. Heute verweben sich in ihren Auftritten mehrere Sprachen, Kulturen und Traditionen – stets mit dem Ziel, das Publikum zum Lachen und Nachdenken zu bringen.

Die Meddah-Theater-Tradition geht auf das osmanische Gesellschaftsleben des 16. bis 19. Jahrhunderts zurück. Meddahs, wandernde Geschichtenerzähler, traten solo in Kaffeehäusern und auf öffentlichen Plätzen auf und verbanden islamische, persische und anatolische Volksmärchen. Ihre Darbietungen dienten vielen Zwecken: Sie vermittelten moralische Lehren, karikierten gesellschaftliche Normen und vereinten durch Satire und Unterhaltung ein vielfältiges Publikum.

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2014 kam Arol nach Berlin, um sich mit Comedy, Clownerie, Stand-up und der Meddah-Tradition auseinanderzusetzen. Ihre Promotion zog sich über acht Jahre hin, doch mit ihren Auftritten wartete sie nicht. Auf der Bühne wechselt sie mühelos zwischen Komik und Ernsthaftigkeit, oft in mehreren Sprachen. Das Teelicht, das sie in der Hand hält, steht für mehr als nur Licht – es symbolisiert ein helles Herz, das Opfer, sich selbst zu verbrennen, um andere zu erleuchten, und die Begegnung mit dem Publikum in Güte.

Früher nutzte sie eine alte Gaslampe, doch ein gefährlicher Vorfall zwang sie zum Umstieg auf eine sicherere Kerze. Am Ende jeder Vorstellung bläst sie die Flamme aus – eine Geste, die veranschaulicht, wie Geschichten nur im Erzählen lebendig bleiben. Das Publikum antwortet mit Applaus, die Begeisterung ist spürbar, wenn sie sich verneigt.

Für Arol ist der Clown ein feministisches Werkzeug. Das klassische Theater bot Frauen kaum Rollen, in denen sie wirklich komisch sein durften – also wandte sie sich der Clownerie zu, um Regeln zu brechen und Machtstrukturen bloßzulegen. Ihre Meddah-Auftritte werden so zu einem Experiment: witzig, politisch und zutiefst persönlich.

Arols Arbeit bewahrt eine alte Tradition, ohne sie zu verstauben – sie macht sie zu etwas Eigenem. Das Teelicht, das Lachen, das mehrsprachige Erzählen: Alles dient einem Ziel – zu verbinden, zu hinterfragen und zu unterhalten. Für sie ist die Bühne nicht nur ein Ort des Spiels, sondern ein Raum, um herauszufordern, zu erleuchten und Menschen zusammenzubringen.

Quelle